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Zeolith bei Schilddrüsenproblemen: Was ist wirklich dran?

Frau hält sich den Hals, Schilddrüse hervorgehoben, Schriftzug: Zeolith bei Schilddrüsenproblemen – Was ist wirklich dran?

Ständige Müdigkeit, Haarausfall, ein Kloßgefühl im Hals: Wer mit einer Schilddrüsenerkrankung lebt, kennt diese Beschwerden oft nur zu gut. Kein Wunder, dass viele nach Wegen suchen, sich zusätzlich zur ärztlichen Behandlung etwas Gutes zu tun. Ein Mittel, das dabei immer wieder genannt wird, ist Zeolith. Das Vulkanmineral soll den Körper „entgiften“, die Schilddrüse entlasten und Entzündungen beruhigen.

Doch was ist da wirklich dran? In diesem Artikel erfährst du, was Zeolith ist, wie es im Körper wirkt, was die Forschung dazu sagt und worauf du achten solltest, wenn du mit dem Gedanken spielst, es auszuprobieren.

Überblick

Was ist Zeolith und wie wirkt es im Körper?

Zeolith ist ein Mineral vulkanischen Ursprungs. Für die Einnahme wird meist eine bestimmte Form verwendet, das sogenannte Klinoptilolith. Seine Besonderheit ist eine poröse Gitterstruktur, die wie ein feiner Schwamm bestimmte Stoffe binden kann, zum Beispiel Ammonium oder einige Schwermetalle.

Wichtig für das Verständnis: Zeolith wird vom Körper nicht aufgenommen. Es wandert durch den Magen-Darm-Trakt und wird unverändert wieder ausgeschieden. Es kann also nur Stoffe binden, die sich gerade im Darm befinden. Schadstoffe, die bereits im Blut, in Organen oder im Fettgewebe gespeichert sind, erreicht Zeolith nicht [1].

Rechtlich ist Zeolith in der EU nicht als Nahrungsergänzungsmittel zugelassen. Es wird stattdessen als Medizinprodukt verkauft. Für Medizinprodukte gibt es vor dem Verkauf keine staatliche Prüfung der Wirksamkeit, und die Werbeversprechen werden vorab nicht kontrolliert [1].

Die Rolle der Schilddrüse in deinem Körper

Die Schilddrüse ist ein schmetterlingsförmiges Organ, das vorne an deinem Hals sitzt. Sie ist klein, trägt aber eine riesige Verantwortung, denn ihre Hormone steuern fast alles, was mit deinem Stoffwechsel zu tun hat, von der Körpertemperatur über den Herzschlag bis hin zur Energie, die du für den Tag hast.

Wenn die Schilddrüse aus dem Gleichgewicht gerät, kann das deinen gesamten Alltag beeinflussen. Typisch sind Müdigkeit, Konzentrationsprobleme, gedrückte Stimmung, Gewichtsveränderungen und ein verändertes Kälte- oder Wärmeempfinden. Welche Nährstoffe deine Schilddrüse für ihre Arbeit braucht, liest du übrigens im Artikel über Aminosäuren und die Schilddrüse.

Schilddrüsenprobleme im Überblick: Von Unterfunktion bis Autoimmunerkrankung

Bevor wir uns Zeolith genauer anschauen, hier ein kurzer Überblick über die häufigsten Schilddrüsenerkrankungen:

Hypothyreose - Schilddrüsenunterfunktion

Hier produziert die Schilddrüse zu wenig Hormone, und der Stoffwechsel verlangsamt sich. Typisch sind Müdigkeit, Frieren, Gewichtszunahme, trockene Haut und Verstopfung. Auch Haarausfall ist ein häufiges Anzeichen. Er kann aber viele weitere Ursachen haben, etwa einen Eisenmangel oder hormonelle Veränderungen. Was du dagegen tun kannst, erfährst du in diesem Ratgeber zum Thema Haarausfall stoppen.

Eine Unterfunktion wird in der Regel mit dem Schilddrüsenhormon L-Thyroxin behandelt, das die fehlenden Hormone ersetzt.

Hyperthyreose - Schilddrüsenüberfunktion

Das Gegenteil der Unterfunktion: Die Schilddrüse produziert zu viele Hormone. Das kann zu Nervosität, Schlafstörungen, Gewichtsverlust, Herzrasen und Zittern führen. Eine häufige Ursache ist die Autoimmunerkrankung Morbus Basedow.

Hashimoto-Thyreoiditis

Eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem die Schilddrüse angreift und chronisch entzündet. Hashimoto ist in Deutschland die häufigste Ursache einer Schilddrüsenunterfunktion. Die Entzündung verläuft oft über Jahre schleichend, und die Schilddrüsenfunktion nimmt dabei nach und nach ab.

Ord-Thyreoiditis

Die Ord-Thyreoiditis ist eine seltenere, sogenannte atrophische Form der chronischen Schilddrüsenentzündung, eng verwandt mit Hashimoto. Dabei schrumpft die Schilddrüse langsam, was ebenfalls zu einer Unterfunktion führt. Typisch sind Müdigkeit, Haarausfall, Gewichtszunahme und manchmal ein Druck- oder Kloßgefühl im Hals.

Knoten in der Schilddrüse

Knoten in der Schilddrüse sind sehr häufig und in den allermeisten Fällen gutartig. Oft verursachen sie keine Beschwerden und werden nur zufällig entdeckt. Sie sollten aber per Ultraschall ärztlich abgeklärt und regelmäßig kontrolliert werden.

Kann Zeolith der Schilddrüse helfen?

Die Idee hinter Zeolith bei Schilddrüsenproblemen klingt erst einmal logisch: Umweltgifte und Schwermetalle stehen im Verdacht, Autoimmunerkrankungen zu begünstigen. Wenn Zeolith diese Stoffe bindet, so die Überlegung, wird die Schilddrüse entlastet.

Der Haken: Wie oben beschrieben wirkt Zeolith nur im Darm. Es kann Schadstoffe, die mit der Nahrung aufgenommen werden, möglicherweise teilweise abfangen. Bereits im Körper gespeicherte Schwermetalle leitet es aber nicht aus, und auf die Entzündung in der Schilddrüse hat es keinen nachgewiesenen Einfluss [1]. Studien, die eine Wirkung von Zeolith auf Schilddrüsenerkrankungen untersucht haben, gibt es bislang nicht.

Erfahrungsberichte: Wie du sie einordnen kannst

Im Internet findest du viele begeisterte Erfahrungsberichte: weniger Müdigkeit, ein klarerer Kopf, eine bessere Verdauung, schönere Haut. Solche Berichte sind ernst zu nehmen, denn die Menschen fühlen sich ja tatsächlich besser. Sie beweisen aber nicht, dass Zeolith die Ursache dafür ist.

Gerade bei Schilddrüsenerkrankungen schwanken die Beschwerden oft von ganz allein, zum Beispiel wenn die Hormondosis gut eingestellt ist oder sich eine Autoimmunerkrankung gerade in einer ruhigeren Phase befindet. Viele, die mit Zeolith beginnen, stellen gleichzeitig auch ihre Ernährung oder ihren Lebensstil um. Und auch der Placebo-Effekt kann spürbar sein. Bei Verdauungsbeschwerden ist ein Effekt dagegen zumindest denkbar, weil Zeolith ja genau im Darm wirkt.

Wenn du Zeolith trotzdem ausprobieren möchtest

Die Verbraucherzentrale rät von der Einnahme von Zeolith ab [1]. Wenn du es trotzdem ausprobieren möchtest, solltest du ein paar Dinge beachten:

  • Sprich die Einnahme vorher ärztlich ab, vor allem wenn du Medikamente nimmst. Zeolith kann auch Arzneimittel binden und ihre Wirkung abschwächen, zum Beispiel bestimmte Antibiotika, Eisenpräparate oder Schilddrüsenhormone.
  • Trink ausreichend Wasser, da Zeolith sonst zu Verstopfung führen kann.
  • Nimm es nicht dauerhaft ein. Zeolith unterscheidet nicht zwischen schädlichen und nützlichen Stoffen und könnte auch Mineralstoffe binden. Langzeitfolgen sind nicht untersucht.
  • Nicht geeignet ist Zeolith für Kinder, in der Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei eingeschränkter Nierenfunktion.

TIPP: Zeolith-Produkte fallen bei Untersuchungen immer wieder mit zu hohen Gehalten an Aluminium und Blei auf. Frag den Hersteller deshalb nach aktuellen Laboranalysen auf Aluminium, Blei und Quecksilber, bevor du ein Produkt kaufst [1].

Zeolith und L-Thyroxin

Wenn du eine Schilddrüsenunterfunktion hast, nimmst du wahrscheinlich L-Thyroxin. Das Medikament ersetzt die Hormone, die deine Schilddrüse nicht mehr selbst bildet, und ist für viele Betroffene unverzichtbar. Setz L-Thyroxin deshalb nie ohne Rücksprache mit deiner Ärztin oder deinem Arzt ab, auch nicht, wenn du dich gerade gut fühlst oder etwas anderes ausprobierst.

Bei der gleichzeitigen Einnahme von Zeolith gibt es eine wichtige Wechselwirkung: Zeolith kann L-Thyroxin im Darm binden und so verhindern, dass es ins Blut gelangt. Die Folge wäre eine schwächere Wirkung des Medikaments. Wenn du beides nehmen möchtest, solltest du die Einnahmen deshalb zeitlich weit auseinanderlegen. Den genauen Abstand sprichst du am besten mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder in der Apotheke ab. Lass außerdem nach einigen Wochen deine Schilddrüsenwerte kontrollieren, um sicherzugehen, dass die Dosis weiterhin passt.

Studienlage: Was sagt die Wissenschaft?

Die wissenschaftliche Datenlage zu Zeolith ist insgesamt dünn. Eine häufig zitierte Arbeit aus dem Jahr 2022, erschienen in der Fachzeitschrift Frontiers in Medicine, hat in drei kleineren Studien vor allem untersucht, ob die Einnahme von Zeolith die Schwermetallwerte im Blut erhöht [2]. Das war überwiegend nicht der Fall. Einzelne Werte wie Quecksilber oder Arsen sanken leicht, der Bleiwert stieg in einer Studie dagegen sogar etwas an, blieb aber im Normalbereich. Das verwendete Zeolith wurde von einem Hersteller bereitgestellt, eine Mitarbeiterin des Unternehmens war an der Studie beteiligt.

Einen Nachweis, dass Zeolith gezielt Schwermetalle aus dem Körper ausleitet oder bei Schilddrüsenerkrankungen hilft, liefert diese Arbeit nicht. Die Verbraucherzentrale bewertet die Gesundheitsversprechen zu Zeolith als wissenschaftlich nicht belegt, das Oberlandesgericht Stuttgart hat die Werbung für ein Zeolith-Produkt als „Detox“-Mittel bereits 2017 als irreführend eingestuft [1].

Fazit

Zeolith wird oft als natürlicher Helfer für die Schilddrüse beworben. Bei genauerem Hinsehen bleibt davon wenig übrig: Das Mineral wirkt nur im Darm, kann bereits gespeicherte Schadstoffe nicht ausleiten, und Studien zur Wirkung bei Schilddrüsenerkrankungen gibt es nicht. Dafür bestehen echte Risiken, vor allem durch belastete Produkte und Wechselwirkungen mit Medikamenten wie L-Thyroxin.

Wenn du mit einer Schilddrüsenerkrankung lebst, sind eine gute ärztliche Begleitung, regelmäßige Kontrollen deiner Werte und eine richtig eingestellte Medikation die wichtigste Grundlage. Wenn du darüber hinaus etwas für dich tun möchtest, sprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt, was in deiner Situation sinnvoll ist.

TIPP: Achte auf eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Bewegung und Schlaf sowie einen guten Umgang mit Stress. Das heilt keine Schilddrüsenerkrankung, kann dir aber helfen, dich im Alltag wieder fitter und ausgeglichener zu fühlen.

Zeolith wird übrigens auch bei Tieren eingesetzt, mehr dazu im Artikel Zeolith für Hunde.

FAQ: Häufig gestellte Fragen zu Zeolith und Schilddrüse

Nein. Für Kinder, Schwangere, Stillende und Menschen mit eingeschränkter Nierenfunktion ist Zeolith nicht geeignet. Wenn du regelmäßig Medikamente nimmst, solltest du die Einnahme vorher ärztlich absprechen, weil Zeolith auch Arzneimittel binden kann.

Dafür gibt es keine wissenschaftlichen Belege. Zeolith wirkt nur im Darm und hat keinen nachgewiesenen Einfluss auf die Entzündung in der Schilddrüse oder auf die Hormonproduktion. Eine Unterfunktion gehört in ärztliche Behandlung.

Nur mit großem zeitlichen Abstand und nach Rücksprache mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Zeolith kann L-Thyroxin binden und seine Wirkung abschwächen. Lass deine Schilddrüsenwerte nach einigen Wochen kontrollieren.

Möglich sind Verstopfung und Völlegefühl, besonders wenn du zu wenig trinkst. Außerdem kann Zeolith Medikamente und Mineralstoffe binden. Manche Produkte waren mit Aluminium oder Blei belastet. Beschwerden nach der Einnahme sind übrigens kein Zeichen von „Entgiftung“, sondern ein Grund, die Einnahme zu beenden.

Seriöse Produkte sind als Medizinprodukt gekennzeichnet und versprechen keine Heilung oder „Entgiftung“. Frag den Hersteller nach aktuellen Laboranalysen auf Aluminium, Blei und Quecksilber. Werbung mit „geprüfter Arzneibuchqualität“ ist bei Zeolith unzulässig, weil es dafür keinen Eintrag im Arzneibuch gibt.

Quellen

[1] Verbraucherzentrale: Zeolith – am besten geeignet als Katzenstreu
https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/nahrungsergaenzungsmittel/zeolith-am-besten-geeignet-als-katzenstreu-34637

[2] Kraljević Pavelić, S. et al. (2022): Clinical Evaluation of a Defined Zeolite-Clinoptilolite Supplementation Effect on the Selected Blood Parameters of Patients. Frontiers in Medicine 9
https://www.frontiersin.org/journals/medicine/articles/10.3389/fmed.2022.851782/full

Wichtiger Hinweis: Die Inhalte auf naturtreu leben dienen ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzen keine Diagnose oder Behandlung durch Ärzt:innen oder Heilpraktiker:innen. Wenn du gesundheitliche Beschwerden hast, wende dich bitte an eine medizinische Fachperson und setze verordnete Medikamente nicht ohne Rücksprache ab.

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